Neben ihren freien Arbeiten untersucht Uta Nitschke, wie sich musikalische Kompositionen in materielle Strukturen übersetzen lassen.
Drei musikalische Werke bilden den Ausgangspunkt dieser Werkreihe.
Wie lässt sich eine immaterielle Ordnung in Materie übersetzen?
Die Auseinandersetzung mit Felix Mendelssohn Bartholdys "Lied ohne Worte" führt zu großformatigen Collagen auf Papier.
Goldpapier, Acryl, Tusche und Bleistift schichten sich zu komplexen Bildräumen. Jedes Element folgt einer präzisen Ordnung. Kontraste und Reihungen machen musikalische Harmonien sichtbar und werfen die Frage auf, wie sich Klang dem Auge offenbart.
Konzepte zur Umsetzung des "Lied ohne Worte" - je 21x29,7 cm
In ihrem Projekt zu Friedrich Smetanas "Die Moldau" nutzt die Künstlerin die Webtechnik als Medium, um die Struktur der Musik abzubilden. Ein handgewebter Teppich – durchsetzt mit Gold- und Silberfäden – wird zum Träger von Klangtiefe.
Systematik: Durch Methoden wie Radation, Kontrast, Translation, Drehung und Spiegelung entstehen Systeme, die mit Hilfe unterschiedlicher künstlerischer Elemente ein Musikstück sichtbar machen.
Struktur: Es offenbaren sich rhythmische Strukturen und harmonische Reihungen in archaischer Anmutung.
Haptik: Das Unsichtbare des Klangs trifft auf die Greifbarkeit des Gewebes. Es entsteht eine „Stille der Bewegung“, die den Flusslauf der Moldau in ästhetischen Farben neu interpretiert.
Konzeptuelle Entwürfe zu "Die Moldau" von Friedrich Smetana
Entwürfe mit Kugelschreiber, Aquarell und Goldpapier auf Papier, die anschließend am Handwebstuhl als Gewebe umgesetzt werden.
Je 50x70 cm.
Das Wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach ist eine Sammlung von Präludien und Fugen. Jede Note wird zu einem Farbfeld. Aus der musikalischen Ordnung entsteht eine visuelle Ordnung, in der Harmonie als Farbe und Rhythmus erfahrbar werden.
Rhythmische Strukturen erstrahlen als farbenprächtige Wandteppiche, die ein wunderbares Hörerlebnis sichtbar machen.
Ob am Webstuhl oder in der freien Collage – Uta Nitschkes Werk ist eine Suche nach der Visualisierung des Immateriellen.
Durch die Verbindung von mathematischer Logik und haptischem Handwerk legt sie die verborgenen Strukturen der Musik frei und überführt sie in eine materielle Form.