Wo Worte schweigen, spricht die Linie. Mit „Die absolute Konsequenz“ markiert Uta Nitschke den Punkt, an dem sich Intention und Ausführung in vollkommener Klarheit begegnen – eine Reise zum Kern der künstlerischen Substanz.

Wie erklärt man ein Bild, dessen Inhalt durch das Entstehen erst Bewusstsein erlangt und an Form gewinnt?
Wie erklärt man den Prozess eines Arbeitsschrittes, der Erfahrungen des bisherigen Lebens in sich birgt und nun in diesem Wirken Ausdruck findet? Lassen sich über viele Jahre gesammelte Erfahrungen in Worte fassen?
Wittgenstein sagt: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“
Worte verlieren ihre Deutungshoheit. Ich ziehe Linien. Eine nach der anderen. Rhythmisch. Konsequent. Die Vorstellung von Farbe und der optische Rahmen sind gedanklich festgelegt. Es folgt das rhythmische Zeichnen der Linien, die wie ein Brief ohne Worte ihren Fortgang finden. Die wie eine Melodie ohne Noten zu Papier gebracht werden, um dem Bild im Kopf zur Verwirklichung zu verhelfen. Linie um Linie reiht sich aneinander. Übereinander. Sekunde um Sekunde. Zeit wird zeitlos. Der Weg ist das Ziel. Was zählt, ist der Moment. Die Linie. Im Hier und Jetzt. Auf dem Papier. Sämtliche Energie konzentriert sich auf einen meditativen Prozess, der neue ungeahnte Erfahrungen mit sich trägt.
Unaussprechliche Erfahrungen. Erfahrungen, die visuell wiedergegeben werden. Erfahrungen, die keine Worte zulassen. Linie um Linie fügt sich zu einem Netz. Webt einen Teppich des Augenblicks. Ein
metaphysisches Textil, dessen Existenz einem alles abverlangt. Das nach Vollendung präsent ist, als blicke man in sein Spiegelbild, welches jedem zugänglich ist.
Das Bild ist nicht mehr innen. Ich habe meine Erfahrung nach außen gestülpt und zeige sie wie einen Querschnitt meines Lebens. Meine Biografie liegt in jedem Augenblick, in jeder Linie. Das
Bild ist in der Welt. Selbständig. Frei. Ich habe keinen Einfluss mehr.
Es existiert. Und ich bin ich.
"Man hat daher immer gedacht, dass das seiner Definition nach einzige Zentrum in einer Struktur genau dasjenige ist, das der Strukturalität sich entzieht, weil es sie beherrscht. Daher lässt sich vom klassischen Gedanken der Struktur paradoxerweise sagen, dass das Zentrum sowohl innerhalb der Struktur, als auch außerhalb der Struktur liegt. Es liegt im Zentrum der Totalität, und dennoch hat die Totalität ihr Zentrum anderswo, weil es ihr nicht angehört." - Jacques Derrida